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PRESSE INFORMATION: High-Tech-OP am Institut für Kopf-Halserkrankungen

PRESSE INFORMATION: High-Tech-OP am Institut für Kopf-Halserkrankungen

Spezialisten-Team rekonstruiert zerstörte Nasenscheidewand einer 31-Jährigen

 

(Wien, 16.4.2018) Gestörte Nasenatmung wird von Patienten oft mit einer Verkrümmung der Nasenscheidewand und verengten Atemwegen assoziiert. Aber auch das Gegenteil, eine stark degenerierte oder gar zerstörte Nasenscheidewand, kann zu einer spürbaren Belüftungsstörung und somit zu einer enormen Belastung für Betroffene führen. Die Korrektur einer derartigen Fehlbildung stellt in ihrer Komplexität selbst für versierte Spezialisten eine große Herausforderung dar.

Zerstörte Nasenscheidewand: Wie kam es dazu?

Einer solchen stellt sich nun am 23. 4. ein hochspezialisiertes Team an HNO-Ärzten am Institut für Kopf-Hals-Erkrankungen, das im Evangelischen Krankenhaus-Wien angesiedelt ist: Unter der Leitung von Prof. Dr. Boban Erovic, wird einer 31-jährigen Patientin in einer 7-stündigen Operation ihre fast zur Gänze zerstörte Nasenscheidewand rekonstruiert. Bei ihr war nach einer Nasenhöhlenoperation vor 12 Jahren erstmals ein kleines Loch in der Nasenscheidewand aufgetreten, das sich mit der Zeit zügig vergrößerte. Zuletzt ergaben die Untersuchungen, dass ihre Nasenscheidewand zu 95% verschwunden und durch den fehlenden „Stützpfeiler“ die äußere Nase eingesunken war.

Zuletzt war die Patientin bei einigen HNO Ärzten, aber auch Plastischen Chirurgen im In- und Ausland vorstellig. Aufgrund ungenügender Infrastruktur sowie fehlenden Know-hows wurde die Behandlung von mehreren Ärzten abgelehnt.

„Durch das fast gänzliche Verschwinden der Nasenscheidewand leidet die Patientin paradoxerweise an einer Belüftungsstörung“, erläutert Prof. Erovic. Der HNO-Arzt war bis vor kurzem an der MedUni-Wien u.a. als Spezialist für Mikrovaskuläre Wiederherstellungschirurgie tätig und leitet seit kurzem das Kopf-Hals-Institut am Evangelischen Krankenhaus.

Paradox: Zu wenig Luft trotz abnorm großer Innennase

Prof. Erovic erklärt den Leidensdruck: „Das subjektive Empfinden ´Gut-Luft-durch-die-Nase-bekommen´ hängt vom Einatmungsdruck an der Nasenwand ab. Ist die Nasenscheidewand anatomisch korrekt, ermöglichen die beiden getrennten Nasenhöhlen eine gute Sogwirkung für die einzuatmende Luft. Verbreitert sich die innere Nase, etwa durch eine schwindende Nasenscheidewand, ist die Sogwirkung weg und der Einatmungsdruck gering.“ Der Patient ringt daher, so absurd es klingt, immer nach Luft, obwohl, oder gerade weil die Nasenöffnung zu breit ist.

Die 31-jährige Patientin leidet aufgrund ihrer enorm vergrößerten Innennase („Empty Nose Syndrome“) nicht nur an einer Belüftungsstörung, sondern auch am häufigen Nasenbluten. Prof. Erovic: „Letzteres rührt daher, dass die Kanten des verbliebenen Nasenscheidewand-Rests vermehrt austrocknen, verborken und dadurch leichter aufreißen. Das führt immer wieder zu Blutungen und zu erhöhter Entzündungsneigung.“

Die Wiederherstellung: High-Tech-OP in zwei Stufen

Der Plan zur Wiederherstellung der Nasenscheidewand umfasst ein 2-stufiges Konzept: Zur Wiederherstellung der Weichteilstrukturen wird beim ersten Eingriff ein Hauttransplantat vom linken Unterarm entnommen und gefaltet in die Mitte der Nase eingebracht. Die besondere Herausforderung: Der Gefäßstiel, durch den das Hauttransplant versorgt wird, muss nach Herstellung eines Mini-Tunnels durch das Wangengewebe in penibler Feinarbeit an den Halsgefäßen angeschlossen werden. Dadurch wird die Blutversorgung des Transplantates in der Nase gewährleistet. Der knorpelige Anteil der Nasenscheidewand wiederum wird durch die Entnahme und Einbringung von Knorpelmasse aus den Rippen wiederhergestellt.

Im Rahmen eines Folgeeingriffs gilt es zu einem späteren Zeitpunkt, das überschüssige Gewebe in der Nase zu entfernen und die Position der Nasenscheidewand zu korrigieren.

 

Das OP-Team:

Dr. Boban Erovic MD, PD, MBA, gebürtiger Wiener, schloss 2007 seine Assistenzzeit an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Medizinischen Universität Wien ab. Während seiner mehrjährigen Tätigkeit als Oberarzt an der Universität Toronto, Abteilung für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie konnte Dr. Erovic sein chirurgisch-onkologisches Repertoire bedeutend vertiefen und erweitern. In diesen zwei Jahren war er ausschließlich für die Diagnose, Therapie und Rehabilitation von Patienten mit Kopf-Hals Tumoren verantwortlich. Seit über 10 Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Tätigkeit in der chirurgischen Behandlung und Defekt-Wiederherstellung von Patienten mit bösartigen Tumoren der Kopf-Hals Region. Besonderes Anliegen ist ihm, die Lebensqualität seiner Patienten nach großen Eingriffen weitgehend zu erhalten.

Prof. Dr. Sasan Hamzavi, jahrelanger Leiter der Audiologie an der HNO Klinik des Wiener AKHs, bildete sich in Los Angeles beim Pionier der Ohrmuschelrekonstruktion, Dr. John Reinisch, weiter. Die Technik, Ohren und Nasenscheidewände mittels Rippenknorpel zu rekonstruieren, studierte er bei Priv. Doz. Henning Frenzel. Heute gilt Dr. Hamzavi als einer der wenigen, hochspezialisierten Chirurgen, welche beide Methoden der Rekonstruktion (körpereigenes Material und Implantate) beherrschen. Er legt besonderes Augenmerk darauf, Patienten eine Therapie anzubieten, die ihnen funktional und gleichzeitig auch ästhetisch einen optimalen Behandlungserfolg bringt. Dr. Hamzavi führte in den letzten 20 Jahren über 4000 chirurgische Eingriffe im HNO-Bereich – von Standardeingriffen bis hin zu aufwändigen Rekonstruktionen bei onkologischen Patienten.

Fotos: Prof. Dr. Boban Erovic, MD, PD, MBA, Prof. Dr. Sasan Hamzavi (Fotocredits: EKH-Wien / C. Haspl)

 

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